Präsident Reichelt sagte dazu: „Im Rahmen der Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2022 wurden wertvolle Daten zur Heizsituation in Sachsen-Anhalt erhoben und ausgewertet. Diese Informationen bieten einen umfassenden Einblick in die verwendeten Heizungsarten und insbesondere deren Energieträger.“
Energieminister Willingmann erklärte: „Die Daten des Statistischen Landesamtes zeigen klar auf, wo die Wärmewende bei uns im Lande voranschreitet und wo wir noch vor teils großen Herausforderungen stehen. Wer heute ein Einfamilienhaus baut, setzt zumeist auf die klimafreundliche Wärmepumpe, weil das wirtschaftlich und ökologisch gleichermaßen sinnvoll ist. Größere Herausforderungen gibt es dagegen bei Bestandsbauten, die überwiegend mit Gas heizen. Hier erwarte ich neue Impulse von der nächsten Bundesregierung. Die kommunale Wärmeplanung muss bis 2028 erfolgreich abgeschlossen werden, damit klar ist, wie künftig vor Ort geheizt werden kann. Zudem werden wir konsequente Investitionen in Wärmenetze und gut ausgestattete Förderprogramme benötigen. Ich bin davon überzeugt, dass die Wärmewende nur gelingt, wenn sie sozialverträglich ausgestaltet wird und wir niemanden beim Umstieg auf klimaneutrale Wärmeversorgung überfordern.“
Von den insgesamt 1 263 371 Wohnungen in Gebäuden mit Wohnraum zum Stichtag 15. Mai 2022 waren die meisten mit Zentralheizungen (747 770) ausgestatten. Auf den Plätzen 2 und 3 folgten 323 308 Wohnungen mit Fernheizung (Fernwärme) und 107 762 mit Etagenheizungen.
Aus wirtschaftlicher Sicht für den Einzelnen, aber auch aus ökologischer Sicht war neben der Art der Heizung aber insbesondere der Energieträger der Heizung wichtig. In mehr als der Hälfte aller Wohnungen (53,2 %) in Sachsen-Anhalt wurde Gas (672 612) als Energieträger eingesetzt. Am zweithäufigsten kam Fernwärme aus verschiedenen Energieträgern (323 308) zum Einsatz. Neben Gas wurden fossile Energieträger wie folgt eingesetzt: in 157 640 Wohnungen der Energieträger Heizöl und in 10 911 Wohnungen Kohle. Nachwachsende Energieträger wie Holz, Holzpellets (31 825 Wohnungen) und Biomasse/Biogas (706 Wohnungen) spielten in Sachsen-Anhalt zum Stichtag eine untergeordnete Rolle.
In insgesamt 166 von 218 Gemeinden war Gas der am häufigsten verwendete Energieträger. Hierzu zählten auch die kreisfreie Stadt Halle (Saale) (50,2 % aller Wohnungen) und die Landeshauptstadt Magdeburg (56,4 %). Gas dominierte als Energieträger der Heizung zudem auch in den meisten anderen Bundesländern. Den höchsten Anteil hatte Gas als Heizenergieträger in Niedersachsen mit 71,9 % (2 957 772) aller Wohnungen und den niedrigsten in Bayern mit 42,3 % (2 807 846).
In 44 Gemeinden Sachsen-Anhalts wurden die meisten Wohnungen mit Heizöl beheizt. Hierbei handelt es sich vor allem um kleine oder ländlichere Gemeinden. In der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau (47,7 %) und 8 weiteren Kommunen (Stadt Hohenmölsen, Karsdorf, Benndorf, Solestadt Bad Dürrenberg, die Städte Braunsbedra, Merseburg, Querfurt und die Hansestadt Stendal) war dagegen Fernwärme der häufigste Energieträger.
Je mehr Wohnungen sich in einem Haus befanden, desto eher war es an die Fernwärme angeschlossen. Während von allen Einfamilienhäusern in Sachsen-Anhalt insgesamt rund 21 000 an die Fernwärme angeschlossen waren (5,1 %), waren es bei den Mehrfamilienhäusern ab 3 Wohnungen insgesamt knapp 283 300 Wohnungen (41,6 %), die so beheizt wurden. Solar-/Geothermie bzw. Wärmepumpen kamen dagegen am häufigsten in Einfamilienhäusern zum Einsatz: fast 80,0 % aller Wohnungen mit diesem Energieträger waren Einfamilienhäuser.
Am Stichtag 15. Mai 2022 setzten in Sachsen-Anhalt nur 23 874 (1,9 %) aller Wohnungen Solar-/Geothermie bzw. Wärmepumpen als Energieträger ein. Bei den neueren Wohnungen wurde der Anteil von Solar-/Geothermie bzw. Wärmepumpen jedoch zunehmend größer. So war diese bei zwischen 2000 und 2009 gebauten Wohnungen schon bei 8,1 % der Wohnungen (4 547) im Einsatz, bei den zwischen 2010 und 2015 waren es 24,2 % (4 925) und ab Baujahr 2016 stieg der Anteil auf 28,4 % (7 567).
Eine aktuelle Auswertung der Statistik der Baugenehmigungen zeigt zudem, dass sich der Anteil von Solar-/Geothermie bzw. Wärmepumpen in Zukunft weiter erhöhen wird. Von den insgesamt 10 077 seit 2022 genehmigten Bauvorhaben für Wohnungen in neugebauten Wohngebäuden haben 68,9 % Solar-/Geo- und Umweltthermie oder Wärmepumpen als primäre Heizenergiequelle (6 945).
Ein ähnliches Bild ergibt der Bundesvergleich für 2023: in allen Bundesländer dominierten die Solar-/Geo- und Umweltthermie als primäre Heizenergieart bei Baugenehmigungen für Wohngebäude. Ihr Anteil lag zwischen 54,1 % in Berlin und 88,3 % in Sachsen-Anhalt.
Ziel der im Rahmen des Zensus 2022 durchgeführten Gebäude- und Wohnungszählung war die flächendeckende und vollzählige Erfassung aller Gebäude mit Wohnraum sowie bewohnter Unterkünfte mit den darin befindlichen Wohnungen. Die Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für wohnungspolitische Entscheidungen und Maßnahmen in der Raumplanung.
Die vom statistischen Verbund herausgegebene interaktive kartografische Anwendung Zensus-Atlas bietet zudem kleinräumige Daten auf Gitterzellen-Basis - unter anderem zum Energieträger - an. Alle Ergebnisse des Zensus 2022 werden überdies schrittweise in der Zensusdatenbank in Tabellenform veröffentlicht.
Weitere Informationen zum Thema Bautätigkeit und Wohnen finden Sie im Internetangebot des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt.
Die lange Zeitreihe oder die Basisdaten zum Thema Baugenehmigungen können über die Tabellen zu Baugenehmigungen (31111) in der Datenbank GENESIS-Online abgerufen werden.