Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes vom 30. September 2026
Sachsen-Anhalts Kommunen beenden das 1. Halbjahr 2026 mit einem Defizit von 339 Mio. EUR
- Defizit in allen kommunalen Gruppen
- Turbulenzen bei den Realsteuern
- Investitionsquote rückläufig
Halle (Saale) – Vom 1. Januar 2026 bis zum 30. Juni 2026 verbuchten die Kommunen Sachsen-Anhalts insgesamt 4 628 Mio. EUR Einzahlungen und 4 967 Mio. EUR Auszahlungen. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 sanken die Einzahlungen um 156 Mio. EUR. Die Auszahlungen stiegen um 58 Mio. EUR. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, erhöhte sich das Defizit der Kommunen von 124 Mio. EUR im 1. Halbjahr 2025 auf 339 Mio. EUR im 1. Halbjahr 2026.
Im 1. Halbjahr 2026 waren Zuwendungen, allgemeine Umlagen und Ausgleichsleistungen mit 53,4 % bzw. 2 473 Mio. EUR die Haupteinnahmequelle der Kommunen. Das waren 5,9 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Steuern und ähnlichen Abgaben (ohne Ausgleichsleistungen) ergaben 22,9 % der Einzahlungen (1 061 Mio. EUR). Insgesamt stiegen die Steuereinnahmen um 9 Mio. EUR (0,9 %). Dabei gingen die Einzahlungen aus Realsteuern um 3,2 % bzw. 24 Mio. EUR zurück. Zuwächse gab es bei den Gemeindeanteilen in Höhe von 11,5 % (31 Mio. EUR), den sonstigen Gemeindesteuern von 15,1 % (2 Mio. EUR) sowie der Spielbankenabgabe mit einem Plus um 11,2 %.
Für Personal und Versorgung benötigten die Kommunen 23,6 % ihrer gesamten Auszahlungen, zusammen 1 170 Mio. EUR. Die Zahlungen stiegen um 4,5 %. Ein knappes Fünftel (19,4 %) der Auszahlungen floss für soziale Leistungen und aufgabenbezogene Leistungsbeteiligungen. Bei insgesamt 962 Mio. EUR entsprach das einer Steigerung um 1,8 %.
Defizit in allen kommunalen Gruppen
Das 1. Halbjahr 2026 schlossen alle kommunalen Gruppen mit einem Defizit ab. In den kreisfreien Städten verdoppelte es sich auf 105 Mio. EUR. Die Landkreise wiesen im 1. Halbjahr 2025 noch einen Überschuss von 102 Mio. EUR aus, im vergangenen Halbjahr verbuchten sie ein Minus um 57 Mio. EUR. In den kreisangehörigen Gemeinden einschließlich der Verbandsgemeinden belief sich das Defizit auf 178 Mio. EUR, 2 % mehr als im Vorjahreszeitraum.
76,5 % der Kommunen (189) beendeten das 1. Halbjahr 2026 mit einem Minus. Betroffen waren 2 der 3 kreisfreien Städte, 7 von 11 Landkreisen, 88 von 101 Einheitsgemeinden, 10 von 18 Verbandsgemeinden und 82 der 114 verbandsgemeindeangehörigen Gemeinden. Ein Jahr zuvor wiesen noch 60,7 % der Kommunen ein Defizit aus.
Die Auszahlungen überstiegen die Einzahlungen im 1. Halbjahr 2026 in der laufenden Rechnung (ertragswirksame Zahlungen) um 206 Mio. EUR und in der Kapitalrechnung (investive Zahlungen) um 133 Mio. EUR. Im Rahmen der Kapitalrechnung verringerten sich das Defizit der Investitionstätigkeit um 28 Mio. EUR auf 151 Mio. EUR und der Überschuss der investiven Finanzierungstätigkeit um 14 Mio. EUR auf 18 Mio. EUR.
Turbulenzen bei den Realsteuern
Durch die Neuregelung der Grundsteuer und die dadurch erforderliche Neuberechnung der Grundsteuermessbeträge kam es im Jahr 2025 zu Verschiebungen vor Ort. Die Steuern wurden deshalb später festgesetzt und die Bescheide später verschickt. Das führte 2025 zu verzögerten Zahlungseingängen in den Gemeinden und zu Nachholeffekten im 1. Halbjahr 2026. So gab es im 1. Halbjahr 2025 Rückgänge bei der Grundsteuer A in Höhe von 2 Mio. EUR (-17,2 %) und der Grundsteuer B in Höhe von 13 Mio. EUR (‑10,3 %). In der Folge stiegen im 1. Halbjahr 2026 die Einzahlungen für Grundsteuer A (Betriebe der Land- und Forstwirtschaft) um 41,4 % und für Grundsteuer B (Wohn- und Nichtwohngrundstücke) um 17,0 % an. Die Gemeinden verbuchten 15 Mio. EUR für die Grundsteuer A und 131 Mio. EUR für die Grundsteuer B. Vergleicht man den Durchschnitt der 1. Halbjahre 2025 und 2026, lagen die Einzahlungen für Grundsteuern wieder auf dem Niveau von vor 2025. Grundsteuer C für baureife, aber unbebaute Grundstücke wurde bis zum 30. Juni 2026 von keiner Gemeinde erhoben.
Im 1. Halbjahr 2026 nahmen die Gemeinden 594 Mio. EUR Gewerbesteuer ein, 48 Mio. EUR weniger (-7,4 %) als im Vergleichszeitraum 2025. Die Stadt Leuna meldete 13 Mio. EUR Gewerbesteuer. Das waren 55 Mio. EUR weniger als im 1. Halbjahr 2025 und der größte Rückgang in einer Kommune. Insgesamt ging die Gewerbesteuer in 126 Gemeinden (57,8 %) zurück. In 37 Gemeinden (17,0 %) betrug der Rückgang mehr als 1 Mio. EUR. 92 Gemeinden (42,2 %) erzielten höhere Einnahmen, darunter 15 Gemeinden (6,9 %), die über 1 Mio. EUR mehr einnahmen. Den größten Zuwachs meldeten die Städte Lützen und Halle (Saale). Die Stadt Lützen konnte mit 35 Mio. EUR Gewerbesteuer eine Steigerung um 26 Mio. EUR verbuchen. In der kreisfreien Stadt Halle (Saale) stiegen die Einzahlungen um 23 Mio. EUR auf 68 Mio. EUR. Die Landeshauptstadt Magdeburg verbuchte mit 85 Mio. EUR die höchste Gewerbesteuer. Für das 1. Halbjahr hält Magdeburg seit 2008 diese Spitzenposition.
Investitionsquote rückläufig
Die Investitionsquote der Kommunen ging in allen kommunalen Gruppen zurück. Sie betrug im 1. Halbjahr 2026 noch 8,4 % (Vorjahr: 9,2 %).
In 136 Kommunen (55,1 %) war die Investitionsquote in den ersten 6 Monaten 2026 geringer als im Vergleichszeitraum 2025. Im Gegensatz zu den steigenden Gesamtauszahlungen gingen die Zahlungen im Rahmen der Investitionstätigkeit zurück. Im 1. Halbjahr 2026 flossen 358 Mio. EUR für Investitionen, 27 Mio. EUR weniger als im 1. Halbjahr 2025 (-7,0 %). Dabei sanken die Zahlungen für Baumaßnahmen auf 247 Mio. EUR (-5,3 %), für den Erwerb von beweglichen und immateriellen Vermögensgegenständen auf 80 Mio. EUR (-7,6 %) und für Investitionsfördermaßnahmen auf 13 Mio. EUR (-19,3 %). Die Auszahlungen für den Erwerb von Grundstücken, Gebäuden und Infrastrukturvermögen verringerten sich auf 11 Mio. EUR (-25,6 %), während sich die Zahlungen für den Erwerb von Finanzanlagen auf 4 Mio. EUR (101,0 %) verdoppelten. Der Großteil dieses Anstieges war auf Ausgaben für Kapitalmarktpapiere in Höhe von 2 Mio. EUR zurückzuführen.
Weitere Informationen:
Weitere Informationen zum Thema Öffentliche Finanzen finden Sie im Internetangebot des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt und dem Statistischen Bericht Gemeindefinanzen, Einzahlungen und Auszahlungen; Kassenstatistik 01.01.2026–30.06.2026; Schuldenstatistik 30.06.2026.
Jahresangaben zu Finanzen der Kommunen Deutschlands stehen in der Regionaldatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder bereit.
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