Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes vom 6. August 2026
2025 leichter Rückgang der Zahl der akuten Kindeswohlgefährdungen
- Jugendämter in Sachsen-Anhalt meldeten 7 407 Gefährdungseinschätzungen
- Akute Kindeswohlgefährdungen traten am häufigsten bei Säuglingen und Kleinkindern im 1. Lebensjahr auf
- Mehrzahl der Verfahren durch Polizei bzw. Justizbehörden initiiert
Halle (Saale) – 2025 meldeten die Jugendämter in Sachsen-Anhalt insgesamt 7 407 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls. Damit stieg die Anzahl der Verfahren gegenüber dem Vorjahr um 14,7 % (+947 Fälle). Wie das Statistische Landesamt mitteilt, reduzierte sich die Anzahl der Verfahren mit dem Ergebnis einer akuten Kindeswohlgefährdung leicht auf 981 Verfahren (-17 Fälle). Die Anzahl der Verfahren mit dem Ergebnis einer latenten Kindeswohlgefährdung, das heißt, eine Kindeswohlgefährdung konnte nicht ausgeschlossen werden, blieb nahezu unverändert bei 877 Verfahren (+2 Fälle). Gegenüber dem Vorjahr stellten die Jugendämter 3 325 Verfahren (+360 Fälle) keine Kindeswohlgefährdung fest, jedoch bestand hier ein weiterer Hilfe- und Unterstützungsbedarf. Keine Kindeswohlgefährdung und kein Unterstützungsbedarf wurde 2 224 Mal (+602) festgestellt.
Akute Kindeswohlgefährdungen am häufigsten bei Kindern im Alter von unter einem Jahr
Die meisten akuten Kindeswohlgefährdungen wurden bei Kindern im Alter von unter einem Jahr registriert (118 Fälle). Dabei war Vernachlässigung die häufigste Form der akuten Kindeswohlgefährdung unter Säuglingen und Kleinkindern (91 Fälle). In dieser Altersgruppe und auch bei den Gefährdungseinschätzungen insgesamt (3 666 Mädchen; 3 741 Jungen) war das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen.
Mehrzahl der Verfahren durch Polizei bzw. Justizbehörden initiiert
Verfahren wurden 2025 am häufigsten durch die Polizei/Justizbehörden (2 272 Fälle), anonym (1 235 Fälle) sowie durch die Schule (650 Fälle) und Bekannte bzw. Nachbarn (561 Fälle) initiiert. In den meisten Fällen gab es zum Zeitpunkt des Verfahrens zur Feststellung einer Kindeswohlgefährdung keine Inanspruchnahme von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe (69,3 %). Bei 30,7 % wurden zum Zeitpunkt des Verfahrens bereits Leistungen wahrgenommen.
Anzeichen für Vernachlässigung häufigste Art der Kindewohlgefährdung
Bei Feststellung einer akuten oder latenten Kindeswohlgefährdung handelte es sich am häufigsten um Anzeichen für Vernachlässigung des Kindes bzw. Jugendlichen (852 Fälle), gefolgt von körperlicher (256 Fälle) und psychischer Misshandlung (243 Fälle). Unter den registrierten Fällen wurde mit 100 Fällen am seltensten sexuelle Gewalt als Art der Kindeswohlgefährdung angegeben.
Die meisten Verfahren in der kreisfreien Stadt Halle (Saale) eingeleitet
Die meisten Verfahren wurden 2025 wie auch in den Vorjahren in der kreisfreien Stadt Halle (Saale) eingeleitet (1 910 Fälle), gefolgt von der Landeshauptstadt Magdeburg (1 380 Fälle) sowie dem Landkreis Mansfeld-Südharz (629 Fälle).
Methodische Hinweise:
Die Angaben stammen aus der Statistik über den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung.
Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Unversehrtheit des körperlichen, geistigen und seelischen Wohls. Werden dem zuständigen Jugendamt maßgebliche Anhaltspunkte zur Gefährdung des Kindeswohls bekannt, hat es, im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte, das Gefährdungsrisiko einzuschätzen und entsprechenden Handlungsbedarf umzusetzen.
Weitere Informationen:
Weitere Informationen zum Thema Kinder- und Jugendhilfe finden Sie im Internetangebot des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt.
Die lange Zeitreihe oder die Basisdaten zum Thema Kindeswohlgefährdung können über die Tabellen zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (22518) in der Datenbank GENESIS-Online abgerufen werden.
Kontakt für weitere Auskünfte
Ansprechpartnerin
Frau Richter-Grünewald
Pressesprecherin, Dezernatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0345 2318 702
Fax: 0345 2318 913
E-Mail: jana.richter-gruenewald(at)statistik.sachsen-anhalt.de
Social-Media-Kanäle
Bluesky: @statistiklsa.bsky.social
Mastodon: @StatistikLSA@social.sachsen-anhalt.de
X: @StatistikLSA
